Meschede. Eine Kaffeetasse voll Aluminiumstaub kann sich in eine Stichflamme von 17 Metern verwandeln. Luftfilter der Firma LET aus Meschede ersticken jede Explosion, bevor sie entsteht.
Schon vor Jahrhunderten flogen Getreidemühlen immer mal wieder in die Luft. Einzig mögliche Vorsichtsmaßnahme gegen solche Feinstaubexplosionen war die Vermeidung von offener Flammen an solchen Orten.
Heute sind Getreidemühlen und andere Produktionsanlagen mit Luftfiltern und Absauganlagen ausgestattet, die Staub und entzündliche Gase abtransportieren. Explosionen kann es da immer noch geben. Bei vielen Absauganlagen reichen Sollbruchstellen, die den Druck der Explosion in eine Richtung ableiten, in der Menschen und Maschinen nicht gefährdet sind. Gibt es eine solche »ungefährliche Richtung« nicht oder ist der Staub sogar giftig, darf es einfach keine Explosion geben.
Ralf Joachimsmeier vor einem Schaltschrank mit der Steuerelektronik für eine Entstaubungsanlage, die beim Laserzuschnitt von Spanplatten gebraucht wird.
Foto: be
Die druckstoßfeste Entstaubungsanlage der LET misst kontinuierlich den Druck innerhalb des Staubfilters. Innerhalb von Millisekunden erkennt die Anlage einen Druckanstieg. Bevor sich die entstehende Explosion voll entwickeln und den Behälter zerreißen kann, wird automatisch Löschmittel eingespritzt.
Äußerste Präzision und eine höchst zuverlässige Regeltechnik sind Vorraussetzung für solche Anlagen. Auf diesem Markt gibt es nur wenige Wettbewerber.
Vor einigen Jahren war die Firma noch führend bei der Entstaubung von Kalksandsteinwerken. Dann brach die Nachfrage weg. Das Know How konnten die Spezialisten aber in die Keramik-Industrie verwenden, wo es auf hochreine Werkstoffe ankommt.
Hochrein ist die Produktion auch im Pharma und Lebensmittelbereich. Der Süßwarenhersteller Ferrero schätzt seit langem die Kompetenz der LET, die in diesem Bereich Marktführer ist.
»Die Stäube werden immer komplizierter«, sagt LET-Geschäftsführer Ralf Joachimsmeier. »Früher reichte meist ein Nadelfilz. Heute haben wir es mit 200 verschiedenen Stoffen mit sehr unterschiedlichen Materialeigenschaften zu tun.« Die LET hat sich mit ihren 55 Mitarbeitern auf maßgeschneiderte Lösungen spezialisiert.
Es gibt keine Standardanlagen für mehrere Einsatzbereiche. Jede Produktionsanlage benötigt eine andere Entstaubung. Da die Entwicklung der Filter- und Steuerungstechnik kompliziert ist und intime Kenntnisse des jeweiligen Fertigungsprozesses erfordert, ist der Verkauf an ausländische Kunden schwierig. »Die meisten unserer Kunden sind im Inland«, sagt Joachimsmeier. Dennoch erreiche die LET durch die enge Zusammenarbeit mit im Ausland produzierenden Kunden einen Exportanteil von 80 Prozent. Eine eigene Produktion im Ausland hält Joachimsmeier nicht für sinnvoll. Zu sehr sei die Firma von qualifiziertem Personal und guter Infrastruktur abhängig.
Ohne Entstaubung keine Produktion
In den siebziger Jahren waren Luftfilter und Absauganlagen in Fabriken weitgehend eine Frage des Arbeitsschutzes. In den achtziger Jahren kam der Umweltschutz als Grund für den Einbau dieser Anlagen hinzu.
Bis dahin war es keine Katastrophe, wenn zum Beispiel die Absauganlage über einem Schweißapparat oder in einer Gießerei ausfiel – ein paar Tage konnte man sich in dem Fall auch durch das Öffnen der Fenster behelfen.
Das änderte sich zunehmend in den neunziger Jahren, als Luftfilter und Absauganlagen für die Herstellung von Lebensmitteln, Medikamenten und komplizierter Stoffverbindungen in die Produktion integriert wurden. Fällt eine solche »prozessintegrierte« Anlage aus, steht die gesamte Produktion still. So entstand ein Nischenmarkt, in dem maßgeschneiderte Lösungen gefragt sind. Allein in Europa wird dieser Markt auf ein jährliches Volumen von 300 Millionen Euro pro Jahr geschätzt.
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