Warum Hassan al-Qiq vor Gericht muss

Meschede. Wenn Hassan al-Qiq nach seinem 14-tägigen Studienaufenthalt in Meschede in diesen Tagen nach Hause kommt, wird er sich als erstes vor einem israelischen Gericht verantworten müssen.

Zusammen mit acht weiteren Schulleitern und Ministerialbeamten der palästinensischen Autonomiebehörde hat al-Qiq an einer Schulleiterfortbildung am Berufskolleg Meschede teilgenommen. Ziel der Fortbildung unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) war die Vermittlung von Kenntnissen über das deutsche System der Berufsausbildung. Jetzt kamen die Teilnehmer zu einer abschließenden Präsentation ihrer Ergebnisse im Berufskolleg zusammen.

Hassan al-Qiq.Direktor Hassan al-Qiq bei der abschließenden Diskussion im Berufskolleg Meschede. | Foto: be

Zu Hause, im Norden Jerusalems, leitet al-Qiq eine Berufsschule. Gegründet 1965, ist die Schule das älteste deutsche Entwicklungshilfe-Projekt in der Region.

Tummelplatz braucht System

Seit dem Bau der israelischen Grenzmauer im vergangenen Jahr ist sie jedoch vom Rest des Landes abgeschnitten. An seiner Schule beschäftigt al-Qiq auch Lehrer mit Wohnsitz in der West Bank. Die müssen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen, täglich israelisches Territorium durchfahren, wofür sie keine Erlaubnis bekommen. Deshalb droht dem Direktor jetzt Haft im einem israelischen Gefängnis.

Die Teilung des Landes ist indessen nur ein Problem unter vielen für die berufliche Bildung in Palästina. Seit 1999 ist die palästinensische Autonomiebehörde bemüht, System in den Tummelplatz von Entwicklungshilfe-Organisationen zu bringen und ein eigenes Berufsbildungssystem aufzubauen.

»Bedingungen ändern sich schnell«

»Was an einem Tag gilt, kann am nächsten schon wieder hinfällig sein. So schnell ändern sich dort die Rahmenbedingungen«, berichtet Wilhelm Schröder vom Berufskolleg Meschede. Er unterstützt Schulen, Behörden und Betriebe in der Region beim Aufbau einer beruflichen Bildung in Gastronomie und Tourismus. Sein Kollege Berthold Hohmann ist regelmäßig für den Bereich Kfz-Technik in Palästina unterwegs.

Das Engagement des Berufskollegs Meschede in diesem Entwicklungshilfeprojekt ist SPD-MdB Dagmar Schmidt zu danken. Als Mitglied im Entwicklungshilfe-Ausschusses des Bundestages und Berichterstatterin für die Nahost-Region unterhält sie gute Kontakte nach Palästina und hat das Land schon mehrfach bereist.

Gedruckt:
Westfälische Rundschau
Lokalteil Meschede

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