Föckinghausen. »Boah, toll!« Für 36 Viertklässler aus Essen und Oberhausen gibt es seit Donnerstag im Sauerland nicht nur Kühe und viel Platz: 61 Berufssoldaten ließen sie auf ihre Motorräder aufsteigen.
»Wir haben ihnen gesagt, dass wir noch eine kleine Wanderung machen wollen,« sagt Maria Küppers, »von den Motorrädern wissen sie noch gar nichts – das ist eine Überraschung.« Mit zwei Grundschulklassen sind Küppers und ihre Kollegin Hannelore Prangenberg aus dem Ruhrgebiet für eine Woche ins Sauerland gekommen. Der Ausflug ist ein Experiment: Unter den 36 Grundschülern sind auch fünf hörgeschädigte Kinder. »Man kann hörgeschädigte nicht zusammen mit hörenden Kindern unterrichten«, sagt die Sonderschullehrerin Küppers, »Lernbedürfnisse und Wortschatz sind zu unterschiedlich.« Das Experiment war erfolgreich. Ob mit oder ohne Gehör – gemeinsames Spielen geht immer.
Auf der Harley in den Sonnenuntergang. foto|beGemeinsam ist den Kindern auch die Begeisterung für die 61 schweren Motorräder, die in dieser Woche vor dem Caritas-Heim parkten. Sie gehören Berufssoldaten aus Bundeswehrstandorten Rheine, Aurich, Wittmund, Fürstenau und Jever. Mit dem katholischen Standortpfarrer von Wittmund, Andreas Ulrich, waren sie für eine Woche im Sauerland unterwegs.
»Werkwoche« nennt sich der organisierte Urlaub in Zivil, den der Pfarrer, selbst passionierter Motorradfahrer, organisiert hat. Jeder Tag dieser Woche beginnt mit einer Messe. Dann stehen gemeinsame Ausfahrten, Besichtigungen oder auch ein Fahrsicherheitstraining auf dem Programm. Vom Obergefreiten bis zum Kommandeur sind alle Ränge vertreten, aber die zählen in dieser Woche nicht.
Was zählt, sind Aufbau und Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls, gemeinsames Gebet und viele Gespräche.
»Das Sauerland ist für Motorradfahrer einfach Klasse«, sagt Ralf Gietzen vom Jagdgeschwader 71 »Richthofen« aus Wittmund. In Ostfriesland seien die Straßen nun einmal schnurgerade und bieten kaum Gelegenheit, fahrerisches Können und vor allem Kurventechnik zu trainieren. Dass nicht wenige Straßen im Sauerland aussehen wie Flickenteppiche, stört ihn nicht: »Da muss man eben vorsichtig fahren«, meint er.
Vorsichtig ging es auch mit den Kindern über den Parkplatz der Waldgaststätte Föckinghausen. Nur Phillip wollte nicht. »Das tut weh«, gebärdete er seiner Lehrerin Maria Küppers. Er hatte sich schon bei einer Wanderung am vorigen Tag ein wenig verausgabt. »Das ist sooo schade«, gebärdete Küppers zurück, aber Phillip ließ sich nicht überreden. Zwei hörende Kinder leisteten ihm im Schmollwinkel Gesellschaft. Alle anderen standen ungeduldig in der Schlange und warteten darauf, in den Sattel gehievt zu werden. »Ich habe selbst kleine Kinder«, meint ein Harley Davidson-Fahrer, »für die ist Motorrad ein Riesenspaß.«
Stichwort Militärseelsorge
Die Kirchensteuer der Soldaten geht nicht in den großen Steuertopf, sondern wird zu hundert Prozent für die Militärseelsorge verwendet. So kommt es, dass die beiden großen Kirchen so genannte Werkwochen, Seminare und auch Urlaubsreisen für ganze (Soldaten-)Familien für wenig Geld anbieten können.
»Soldaten sind keine anderen Menschen«, meint der katholische Militärpfarrer Andreas Ulrich, »aber die Seelsorge ist anders als in einer Gemeinde.« Vor allem die Trennung von der Familie sei für viele Soldaten ein Problem. »Manche Kameraden in Wittmund fahren am Wochenende bis nach Bayern, um bei ihren Familien zu sein«, sagt Ulrich.
Standortschließungen und Auslandseinsätze – ganz gleich ob zur Übung oder für den Kriseneinsatz trennen Familien und machen den Soldaten zunehmend zu schaffen.
Für den Militärseelsorger heißt das vor allem: Viel unterwegs. Außer dem Standort Wittmund in Ostfriesland betreut er auch noch eine zivile Gemeinde in Rheine. Vor zwei Wochen begleitete er eine Luftkampfübung auf Sardinien, dann ein Deeskalationstraining bei Hammelburg und im November geht er nach Kundus in Afghanistan.
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Lokalteil Meschede
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