Diebstahl aus Spaß endet schmerzhaft

Meschede/Eversberg. Bei einem nächtlichen Überfall auf ein vermeintliches Pfadfinderlager erlebten fünf Jugendliche aus Eversberg ein böse Überraschung: Sie trafen auf Kampfsportler mit wenig Sinn für Humor. Gestern wurde das Strafverfahren gegen einen der Beteiligten gegen Zahlung einer Geldbuße von 300 Euro eingestellt.

Wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung musste sich gestern der 38-Jährige Ulrich B. aus Hamm vor dem Mescheder Amtsgericht verantworten. Im Juli vergangenen Jahres hatte er als Betreuer an einem Zeltlager mit 30 Kindern im Alter zwischen 4 und 16 Jahren teilgenommen. Der Organisator des Zeltlagers ist nach eigenem Bekunden Großmeister in Judo und Karate und betreibt in Hamm eine Kampfsportschule. In dieser Schule hatten wohl alle erwachsenen Begleiter des Zeltlagers trainiert. Bei dem nächtlichen »Überfall« von fünf Jugendlichen brachten sie ihre Kampfkunst zum Einsatz.

»Ich kam mir vor wie im Krieg, und ich und meine Freunde waren Kriegsgefangene, die gefoltert wurden«, heißt es in dem Gedächtnisprotokoll eines der »Gefangenen«Â.

Die Jugendlichen hatten das Zeltlager für ein Lager von Pfadfindern gehalten, deren Wimpel sie zum Spaß stehlen wollten. Die Nachtwache des Lagers konnte in dem nächtlichen Überfall jedoch keinen Spaß erkennen. Sie nahmen drei der fünf Jugendlichen fest – mit Schlägen, Tritten und schmerzhaften Griffen. Anschließend »sicherten«Â sie ihre Gefangenen auf eine Weise, wie man sie sonst nur von Polizei und Militär kennt.

Anderthalb Stunden mussten sie in dieser Stellung verbringen. So lange brauchte die Mescheder Polizei, die sofort von den Betreibern des Zeltlagers verständigt worden war, um an den Ort des Geschehens zu kommen.

Gefangen wie man das sonst nur von der Polizei kennt

Der Angeklagte Ulrich B. habe zwar vorgeschlagen, die Gefangenen bis zum Eintreffen der Polizei auf eine Bank zu setzen. Der Organisator habe dagegen aber Bedenken gehabt, weil das mehr Bewacher erfordert hätte, die bei der Abwehr eines weiteren Angriffs gefehlt hätten.

»Ich habe der Polizei gesagt, dass ich der Verantwortliche bin und nicht Ulrich«Â, sagte der Organisator nach der Verhandlung. Gegen ihn wird voraussichtlich ein eigenes Verfahren angestrengt.

Die Jugendlichen seien einfach an den Falschen geraten. Ähnliche Überfälle – aus Spaß oder aus Rache – fürchte er nicht. Auf jeden Fall wolle er auch in Zukunft in Eversberg zelten. »Die Eversberger haben nichts gegen uns«Â, meint er.

Gedruckt:
Westfälische Rundschau
Lokalteil Meschede

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